Der chinesische Suchmaschinenkonzern Baidu hat sein neuestes KI-Modell, ERNIE 5.5 Flash Base, auf Hugging Face veröffentlicht. Trotz der Bereitstellung als Open-Weight-Modell enthält die Lizenz eine ungewöhnliche geografische Einschränkung. Die Nutzung, Vervielfältigung, Veränderung und Verbreitung des Modells sowie seiner Ergebnisse ist in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich und in Südkorea strikt untersagt.
Die Lizenzbedingungen sind deutlich restriktiver als beim Vorgänger, der noch unter der Apache-2.0-Lizenz stand. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Dollar müssen Baidu per E-Mail informieren und eine schriftliche Genehmigung einholen. Zudem ist die Nutzung zur Verbesserung anderer KI-Modelle, etwa durch Destillation, sowie jegliche militärische Verwendung verboten. Kommerzielle Produkte müssen zudem sichtbar als „Powered by ERNIE“ gekennzeichnet werden.
Technisch positioniert sich ERNIE 5.5 Flash Base als leistungsstarkes Mixture-of-Experts-Modell mit 280 Milliarden Parametern, von denen 14 Milliarden pro Token aktiv sind. Laut Baidus eigenen Benchmarks übertrifft das Modell Konkurrenten in 24 von 30 Tests, darunter beim MMLU-Wissenstest mit 93,3 Punkten gegenüber 89,4 von DeepSeek-V4-Flash-Base. Das Modell wurde auf 33,5 Billionen Tokens trainiert und erfordert für den Betrieb mindestens 288 Gigabyte GPU-Speicher.
Baidu nennt keine offiziellen Gründe für die Sperre, doch Branchenexperten vermuten regulatorische Motive. Seit August 2025 gelten in der EU die strengen Pflichten des AI Act für General-Purpose-Modelle, die technische Dokumentationen und Urheberrechtskonformität fordern. Während Wettbewerber wie DeepSeek auf die MIT-Lizenz oder Alibaba auf Apache 2.0 setzen, wählt Baidu einen Weg, der europäische Entwickler faktisch vom Einsatz des Modells ausschließt.



