Hunderte Aktivisten sind am 6. November 2026 in das Gelände eines im Bau befindlichen Microsoft-Rechenzentrums im Amsterdamer Stadtteil Sloterdijk eingedrungen. Die Aktion wurde von der niederländischen Gruppe Geef Tegengas organisiert und erhielt Unterstützung von Extinction Rebellion sowie pro-palästinensischen Gruppen. Die Demonstrierenden kletterten mit Leitern über Zäune, schnitten Löcher in die Absperrungen und befestigten Transparente mit Aufschriften wie „Weg mit Rechenzentren, fuck AI“ an einem Baukran. Die Polizei griff mit Pfefferspray ein und nahm mehrere Personen fest.
Die Proteste richten sich sowohl gegen die technologische Entwicklung als auch gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns. Mit Graffiti und Rufen wie „Microsoft has got to go“ warfen die Aktivisten dem Unternehmen vor, Cloud-Dienste an die israelische Armee und die US-Einwanderungsbehörde ICE zu liefern. Ein Transparent mit der Aufschrift „Microsoft powers genocide“ unterstrich die politischen Forderungen. Bereits im Vorjahr hatte Microsoft einer israelischen Militäreinheit den Zugriff auf bestimmte KI- und Cloud-Dienste gesperrt, nachdem Berichte über Massenüberwachung von Palästinensern erschienen waren.
Das Projekt wird vom britischen Entwickler Pure Data Centres für eine Investition von über einer Milliarde Euro realisiert. Geplant sind drei 85 Meter hohe Türme mit einer Anschlussleistung von insgesamt 78 Megawatt, wobei Microsoft der alleinige Mieter sein wird. Kritiker und Aktivisten behaupten, die Anlage werde so viel Strom verbrauchen wie alle Haushalte Amsterdams zusammen. Die ehemalige niederländische Raumordnungsministerin Mona Keijzer verglich den erwarteten Jahresverbrauch Anfang des Jahres mit dem einer Kleinstadt.
Trotz eines Bauverbots für neue Rechenzentren in Amsterdam bis 2030 konnte das Projekt realisiert werden, da die Genehmigung vor dem Stopp erteilt worden war. Zudem greifen nationale Regeln gegen Hyperscale-Rechenzentren nicht, da diese Anlagen mit mehr als 70 Megawatt gleichzeitig eine Fläche von über zehn Hektar benötigen; die Türme in Sloterdijk beanspruchen lediglich 2,3 Hektar. Dieser Vorfall ist Teil einer europaweiten Welle, die auch Proteste in Dublin, Spanien und Finnland sowie Widerstand bei Midterm-Wahlen in den USA umfasst.



