Professor Andreas Bergthaler, Inhaber des Lehrstuhls für Molekulare Immunologie an der MedUni Wien, nutzt die Wiener Kanalisation als Instrument zur Überwachung der öffentlichen Gesundheit. In Zusammenarbeit mit seinem Team entwickelt er Methoden, um Krankheitserreger in Abwasserproben aufzuspüren und deren Ausbreitung besser zu verstehen. Bergthaler betonte in einem Gespräch mit Elisabeth Oberzaucher im Podcast „Wiener Wissen“, dass das Abwasser ein relativ gutes Spiegelbild der aktuellen Entwicklungen in der Bevölkerung abgibt.

Die Analysen konzentrieren sich derzeit auf die Kläranlage in Simmering, wo die Forscher eine beachtliche Vielfalt an Erregern finden. Im Durchschnitt lassen sich in einer einzigen Abwasserprobe zwischen 100 und 150 verschiedene Viren identifizieren. Diese systematische Erfassung dient primär dazu, die öffentliche Gesundheitsvorsorge durch präzisere Daten über die Verbreitung von Viren zu verbessern.

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt auf den humanen Papillomaviren (HPV), die für die Entstehung verschiedener Krebsarten verantwortlich sein können. Bergthaler weist darauf hin, dass die Gefahr dieser Viren für Männer häufig unterschätzt wird. Er plädiert daher für eine konsequente HPV-Impfung, die er als eine unglaublich gute Impfung mit kaum Nebenwirkungen und einem sehr guten Schutz beschreibt.

Die wissenschaftliche Herausforderung bleibt jedoch groß, da es insgesamt mehr als 400 verschiedene HPV-Genotypen gibt. Das Team um Professor Bergthaler hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst alle diese Genotypen zu finden und zu erforschen. Diese detaillierte Kartierung der Viren soll dazu beitragen, die Mechanismen der Virusausbreitung vollständig zu entschlüsseln.